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Was ist Evidence Based Medicine ?

Vorbemerkung / Begriffsbestimmung


Evidenzbasierte Medizin (Evidence Based Medicine, EBM) ist eine Medizin, die sich nicht an Intuition, unsystematischen individuellen Erfahrungen oder im besten Fall veralteten Lehrbüchern orientiert, sondern versucht, ärztliche Entscheidungen aufgrund wissenschaftlicher Belege (und so ist das englische Wort 'evidence' zu verstehen) zu treffen.


Die EBM hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und findet im Bereich der Leitlinienentwicklung wie auch in der klinischen Praxis zunehmend Einzug. Der Grund liegt einerseits in der immer schneller wachsenden Menge an Ergebnissen aus der medizinischen Forschung, die in der knapp bemessenen Lesezeit des Einzelnen nicht mehr zu bewältigen ist. Andererseits stellt die evidenzbasierte Bewertung medizinischer Literatur einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung in der klinischen Praxis und in der Gesundheitsversorgung dar. Die Arbeiten der Cochrane Collaboration (CC) sind im Kontext der EBM ein wichtiger Beitrag, um fundierte wissenschaftliche Antworten zu Fragen der klinischen Praxis mit hoher Validität bzw. minimaler Verzerrung (Bias) zu erhalten. Im Zentrum der evidenzbasierten Medizin steht der individuelle Patient, für den es die bestmögliche Diagnostik bzw. Therapie auszuwählen gilt. Aufbauend auf dem Konzept von D.L. Sackett erfolgt ein standardisiertes Vorgehen: an erster Stelle steht die Formulierung einer beantwortbaren klinischen Frage, die weiteren Schritte geben den weitgehend standardisierten Prozess der Entscheidungsfindung an. Die Entscheidungsfindung basiert auf der kritischen Bewertung der gefundenen Literatur, die zumeist die Ressourcen der Cochrane Collaboration nutzt. Am Schluss steht die Überprüfung der getroffenen Entscheidung.

Dieses standardisierte Vorgehen kann anhand der evidenzbasierten Fallberichte verdeutlicht werden. Initiiert wurden die evidenzbasierten Fallberichte (evidence based case reports) erstmals von F. Godlee 1998 im British Medical Journal. Ziel dieser Berichte ist es, dem behandelnden Arzt Wege aufzuzeigen, um beispielsweise eine Therapieentscheidung bei einem individuellen Patienten auf eine evidenzbasierte Basis zu stützen.

Strukturierung eines evidenzbasierten Fallberichtes

  • Fragestellung: Wie behandle ich diese Erkrankung am besten?

  • Suchstrategie: Auf welche Grundlagen kann ich die Entscheidung stellen?

  • Kritische Evaluierung der gefundenen Arbeiten: Wie gut sind diese Grundlagen (z.B. Qualität der Studien)?

  • Therapieentscheidung: Für diesen Patienten wähle ich diese Behandlung.

  • Begründung und Diskussion: Warum habe ich mich so entschieden und bin ich dabei wirklich evidenzbasierten Gesichtspunkten gefolgt?

Evidenzbasierte Medizin ist aber nicht nur reflektierend zu verstehen, sondern hat auch einen innovativen Aspekt. Strukturierte systematische Übersichtsarbeiten wie die der Cochrane Collaboration dienen dazu, das vorhandene Wissen zusammenzufassen und Forschungsdefizite aufzuzeigen. Damit werden die Grundlagen für zukünftige klinisch kontrollierte Studien gelegt. Epidemiologie und Biomathematik bieten die methodischen Grundlagen, um diese Studien durchzuführen. Innerhalb der epidemiologischen Forschung ist es zudem möglich Studien durchzuführen, deren Ziel die Überprüfung der in klinischen Studien verwendeten Methoden ist (z.B. der verwendeten Zielgrößen wie Klinische Scores).

 

Ziel

Die Forschung der 'Division of Evidence Based Medicine' (dEBM) an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité wird von drei Prinzipien geleitet:

  • Qualität in Methodik und Durchführung

  • Klinische Relevanz

  • Unabhängigkeit

Ziel der dEBM ist die Entwicklung und Verbreitung von evidenzbasierter Medizin in der Dermatologie unter Einbeziehung der Venerologie und Allergologie. Dies soll zum einen durch eine kritische Sichtung des bereits vorhandene Wissens zur Ätiologie und Therapie dermatologischer Erkrankungen und zum anderen durch die Planung und Durchführung von epidemiologischen und klinischen Studien zu dermatologischen Erkrankungen erreicht werden.

Die dEBM steht anderen Arbeitsgruppen der Klinik beratend zur Verfügung und unterstützt Forschung und Lehre an der Universität. Zum Koordinationszentrum für klinische Studien der Charité besteht eine enge Anbindung. Innerhalb der Arbeitsgruppen der DDG (Deutsche Dermatologische Gesellschaft) wird die Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien zur Diagnostik und Therapie dermatologischer Erkrankungen unterstützt.

 

Struktur

Die Basis der dEBM steht auf der Stiftungsprofessur für 'Evidenzbasierte Medizin in der Dermatologie'. Diese Stiftungsprofessur wurde über den Stifterverband der deutschen Wissenschaft eingerichtet.

Im Einzelnen werden folgende Bereiche durch die Stiftungsprofessur abgedeckt:

Forschung:

Entwicklung und Verbreitung von 'Evidenzbasierter Dermatologie'

  • Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten (Cochrane Reviews) zu klinisch relevanten Fragestellungen (mit Metaanalysen, wenn möglich)

  • Erstellung von 'Evidence Based Case Reports' (Evidenzbasierten Einzelfallberichten), an deren Anfang eine klinisch relevante Fragestellung steht.

  • Mithilfe bei der Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien in der Dermatologie

Planung und Durchführung von epidemiologischen Studien

  • Unterstützung und Durchführung von analytischen und deskriptiven dermatoepidemiologischen Studien:

    • Validierungsstudien von Diagnosekriterien sowie Schweregradscores

    • Fall-Kontroll-Studien zu Risikofaktoren dermatologischer Erkrankungen

Planung, Durchführung und Auswertung von klinisch kontrollierten Studien

  • Durchführung und Koordinierung von klinisch kontrollierten Studien der Phase II-IV

    • Studienplanung: Erstellung von Studienprotokollen, CRF's,

    • Durchführung: Rekrutierung von Patienten, Erstellen von Datenbanken

    • Auswertung: Stat. Auswertung, Erstellen von Abschlußberichten

  • Aufbau von Netzwerken

    • Aufbau einer Patientendatenbank, die eine rasche Rekrutierung von Studienpatienten erlaubt. - Aufbau von nationalen und internationalen Prüfernetzwerken, die die rasche Durchführung von klinisch kontrollierten Studien ermöglichen.

Lehre:

für die Studenten Vorlesung zu EBM, Dermatoepidemiologie und Klinisch Kontrollierten Studien

für AiP's, Fachärzte und nichtärztliches Personal (z.B. Study Nurses)

  • Durchführung von Workshops zu EBM und der Arbeit der Cochrane

  • Fortbildungen zur Durchführung von Klinisch Kontrollierten Studien nach 'Good Clinical Practice' Kriterien in Zusammenarbeit mit dem KSK
    (Klinisches Studienkolleg der Charité)


Thematische Ausrichtung

Thematisch ist die dEBM offen für alle klinisch relevanten Fragestellungen im Bereich der Dermatologie, Venerologie und Allergologie.

Darüber hinaus steht die dEBM den bereits an der Dermatologischen Klinik der Charité bestehenden Abteilungen und Arbeitsgruppen beratend zur Verfügung

 

Kooperationen

Die dEBM arbeitet eng mit bereits bestehenden nationalen und internationalen Institutionen, deren Ziel die Förderung der 'Evidence Based Medicine', von klinisch kontrollierten Studien nach Kriterien der 'Good Clinical Practice' und Dermatoepidemiologie ist, zusammen.

Innerhalb der Charité besteht eine enge Kooperation mit dem Koordinationszentrum für Klinische Studien (KKS Charité).

Zusammen mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft werden evidenzbasierte Leitlinien zur Diagnostik und Therapie dermatologischer Erkrankungen entwickelt.

Im einzelnen sind folgende Kooperationen angestrebt bzw. bestehen bereits:

In Berlin:

In Deutschland:

  • Deutsches Cochrane Zentrum

  • EBM-Netzwerk

  • EBI (Arbeitsgruppe Epidemiologie, Biometrie und Informatik der DDG)

  • DAE (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie)

  • Krankenkassen (private / gesetzliche)

  • Andere Clinical Research Organisations

  • Arbeitsgruppen der DDG (Deutsche Dermatologische Gesellschaft) und

  • ADF (Arbeitsgemeinschaft Dermatologischer Forschung)

  • Ärztliche Zentralstelle für Qualitätssicherung

In Europa:

Außerhalb Europas:

  • IDEA (International DermatoEpidemiological Association)

 

 

 

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letzte Änderung:07-Jan-2008

 

 

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